Kryptowährungen: das neue Zeitalter
des Geldes


Staaten, Banken und digitale Riesen kämpfen darum, in ein Universum einzudringen, das nach 2008 mit der Schöpfung des Bitcoins entstanden ist. Einblick in eine revolutionäre Technologie, die Computerfreaks und Investoren fesselt.

Eine bewegte Geschichte

Vom Bitcoin bis zum ersten Schweizer Stablecoin haben die Kryptowährungen viel Tinte fliessen lassen (und einiges an Vermögen). Rückblick auf zwölf aufregende Jahre.

2008

Entstehung des Bitcoins

Als vor fast zwölf Jahren ein gewisser Satoshi Nakamoto – eine anonyme Person oder Gruppe, deren Identität bisher niemand zurückverfolgen konnte – den Bitcoin auf den Markt brachte, ein verteiltes Protokoll, das vollkommen abgesicherte Peer-to-Peer-Zahlungen ermöglichte, haben wenige Beobachter ein solches Schicksal vorhergesagt. Dennoch war das Timing im November 2008, einen Monat nach dem Bankrott von Lehman Brothers, der die traditionelle Finanzwelt erschütterte, perfekt, um ein Projekt vorzuschlagen, das man als „trustless“ bezeichnen konnte, dessen Durchführung nicht vom Vertrauen in einen Dritten abhing. Alexis Roussel beobachtet, „dass der Bitcoin nichts anderes tat, als die Frage nach dem Vertrauen in die Währung wieder aufzuwerfen. Diese war schon seit dem Ende des Abkommens von Bretton Woods und der Rückkehr zum frei schwankenden Dollar aktuell. Er bot eine konkrete Alternative, eine vollständige Währung zur kontrollierten Ausgabe.“

Diese Kryptowährung war lange den Early Adopters vorbehalten, wie dem Entwickler Laszlo Hanyecz, der 2010 zwei Pizzas für 10 000 Bitcoins kaufte (was beim aktuellen Kurs 65 Millionen Dollar entspricht). Des Weiteren hat sie dem Darknet und dem Drogenhandel im Netz goldene Zeiten beschert, indem sie über ein breites Spektrum an transparenten Transaktionen verfügte, bei denen der Nutzer jedoch anonym blieb. Ein zweifelhafter Ruf, der ihr trotz der Schliessung der illegalen Seite Silkroad im Oktober 2013 noch lange anhaften wird.

2008

Entstehung des Bitcoins

Als vor fast zwölf Jahren ein gewisser Satoshi Nakamoto – eine anonyme Person oder Gruppe, deren Identität bisher niemand zurückverfolgen konnte – den Bitcoin auf den Markt brachte, ein verteiltes Protokoll, das vollkommen abgesicherte Peer-to-Peer-Zahlungen ermöglichte, haben wenige Beobachter ein solches Schicksal vorhergesagt. Dennoch war das Timing im November 2008, einen Monat nach dem Bankrott von Lehman Brothers, der die traditionelle Finanzwelt erschütterte, perfekt, um ein Projekt vorzuschlagen, das man als „trustless“ bezeichnen konnte, dessen Durchführung nicht vom Vertrauen in einen Dritten abhing. Alexis Roussel beobachtet, „dass der Bitcoin nichts anderes tat, als die Frage nach dem Vertrauen in die Währung wieder aufzuwerfen. Diese war schon seit dem Ende des Abkommens von Bretton Woods und der Rückkehr zum frei schwankenden Dollar aktuell. Er bot eine konkrete Alternative, eine vollständige Währung zur kontrollierten Ausgabe.“

Diese Kryptowährung war lange den Early Adopters vorbehalten, wie dem Entwickler Laszlo Hanyecz, der 2010 zwei Pizzas für 10 000 Bitcoins kaufte (was beim aktuellen Kurs 65 Millionen Dollar entspricht). Des Weiteren hat sie dem Darknet und dem Drogenhandel im Netz goldene Zeiten beschert, indem sie über ein breites Spektrum an transparenten Transaktionen verfügte, bei denen der Nutzer jedoch anonym blieb. Ein zweifelhafter Ruf, der ihr trotz der Schliessung der illegalen Seite Silkroad im Oktober 2013 noch lange anhaften wird.

Juli 2015

Entstehung von Ethereum

Die Einführung von Ethereum durch Vitalik Buterin, die teilweise durch den Vorverkauf von 60 Millionen Ether für 31 590 Bitcoins (damals 18 Millionen Dollar) finanziert wurde, markiert einen neuen Meilenstein. Sie ermöglicht die Kodierung dezentralisierter Applikationen über Smart Contracts und erweitert die Möglichkeiten der Blockchain über die monetäre Anwendung hinaus.

Vitalik Burerin ist einer der Gründer von Ethereum und der Zeitschrift Bitcoin.
Vitalik Burerin ist einer der Gründer von Ethereum und der Zeitschrift Bitcoin.

2016

Einführung von The DAO

2016 kommt das Pilotprojekt The DAO mit dem Ziel auf den Markt, einen Investmentpool für Blockchain-Projekte mit einer neuen Art der dezentralisierten Verwaltung zu schaffen. Aber ein Hackerangriff, bei dem 70 Millionen Dollar gestohlen werden, erstickt The DAO im Keim und führt zur Aufspaltung in zwei Blockchains: Ethereum Classic und Ethereum. Yann Isola, Product Manager bei Swissquote erklärt: „Wir haben nun zwei Entwicklerteams, die im Wettbewerb zueinanderstehen, aber dieselbe Richtung einschlagen. Wir stellen ein bemerkenswertes Handelsvolumen und eine starke Nachfrage unserer Kunden nach Ethereum Classic fest.“

Die Gründer von Slock.it: Christoph und Simon Jentzsch und ihr Partner, Stephan Tual.
Die Gründer von Slock.it: Christoph und Simon Jentzsch und ihr Partner, Stephan Tual.

2018

Platzen der Blase

2017 treten die Kryptowährungen mit einer noch nie dagewesenen Spekulationsblase zutage. Der Preis des Bitcoins steigt innerhalb eines Jahres um das Zwanzigfache, bislang weniger verbreitete Währungen wie der Ripple verbuchen einen Kurszuwachs von 28 000 %. Der ICO-Hype (Initial Coin Offering) lockt die breite Öffentlichkeit in Richtung entstehender Blockchain-Projekte, von denen die meisten das Platzen der Blase Anfang des Jahres 2018 jedoch nicht überstehen werden.

Der verrückte Höhenflug des Bitcoins seit 2010

Gesamtwert weltweit in Dollar seit 2017 Gesamtwert weltweit in Dollar seit 2017


Quelle: buybitcoinworldwide.com

Juni 2019

Facebook kommt ins Spiel

Der Facebook-Konzern geht ins Rennen und kündigt an, im Laufe des Jahres 2020 eine auf den Namen Libra getaufte virtuelle Währung zu lancieren. Diese soll auf einer "Open source"-Blockchain basieren und allen Nutzern die Möglichkeit geben, ihre Anwendungen darauf zu entwickeln, um die internationalen Zahlungsvorgänge zwischen Privatpersonen oder Akteuren der Geschäftswelt zu vereinfachen.

März 2020

Der erste elektronische Franken

Die Zürcher Kryptobank Sygnum gibt seit Ende März 2020 den ersten elektronischen Franken basierend auf der Blockchain aus. Der DCHF getaufte Token. nimmt die Form eines Zahlungstokens an, der vollständig an den „echten“ Schweizer Franken gebunden und auf einer Blockchain gespeichert ist. Er ist also der erste Schweizer Stablecoin und kommt so den Projekten eines elektronischen Franken der Nationalbank zuvor.

Mathias Imbach Mitgründer und Singapur-CEO von Sygnum.
Mathias Imbach Mitgründer und Singapur-CEO von Sygnum.

2008

Entstehung des Bitcoins

Als vor fast zwölf Jahren ein gewisser Satoshi Nakamoto – eine anonyme Person oder Gruppe, deren Identität bisher niemand zurückverfolgen konnte – den Bitcoin auf den Markt brachte, ein verteiltes Protokoll, das vollkommen abgesicherte Peer-to-Peer-Zahlungen ermöglichte, haben wenige Beobachter ein solches Schicksal vorhergesagt. Dennoch war das Timing im November 2008, einen Monat nach dem Bankrott von Lehman Brothers, der die traditionelle Finanzwelt erschütterte, perfekt, um ein Projekt vorzuschlagen, das man als „trustless“ bezeichnen konnte, dessen Durchführung nicht vom Vertrauen in einen Dritten abhing. Alexis Roussel beobachtet, „dass der Bitcoin nichts anderes tat, als die Frage nach dem Vertrauen in die Währung wieder aufzuwerfen. Diese war schon seit dem Ende des Abkommens von Bretton Woods und der Rückkehr zum frei schwankenden Dollar aktuell. Er bot eine konkrete Alternative, eine vollständige Währung zur kontrollierten Ausgabe.“

Diese Kryptowährung war lange den Early Adopters vorbehalten, wie dem Entwickler Laszlo Hanyecz, der 2010 zwei Pizzas für 10 000 Bitcoins kaufte (was beim aktuellen Kurs 65 Millionen Dollar entspricht). Des Weiteren hat sie dem Darknet und dem Drogenhandel im Netz goldene Zeiten beschert, indem sie über ein breites Spektrum an transparenten Transaktionen verfügte, bei denen der Nutzer jedoch anonym blieb. Ein zweifelhafter Ruf, der ihr trotz der Schliessung der illegalen Seite Silkroad im Oktober 2013 noch lange anhaften wird.

Juli 2015

Entstehung von Ethereum

Le lancement d’Ethereum par Vitalik Buterin, en partie financé par la prévente de 60 millions d’ethers pour 31 590 bitcoins (18 millions de dollars à l’époque), marque un nouveau jalon. Il permet le codage d’applications décentralisées via des smart contracts et étend la potentialité de la blockchain bien au-delà de l’application monétaire.

Vitalik Burerin ist einer der Gründer von Ethereum und der Zeitschrift Bitcoin.
Vitalik Burerin ist einer der Gründer von Ethereum und der Zeitschrift Bitcoin.

2016

Einführung von The DAO

2016 kommt das Pilotprojekt The DAO mit dem Ziel auf den Markt, einen Investmentpool für Blockchain-Projekte mit einer neuen Art der dezentralisierten Verwaltung zu schaffen. Aber ein Hackerangriff, bei dem 70 Millionen Dollar gestohlen werden, erstickt The DAO im Keim und führt zur Aufspaltung in zwei Blockchains: Ethereum Classic und Ethereum. Yann Isola, Product Manager bei Swissquote erklärt: „Wir haben nun zwei Entwicklerteams, die im Wettbewerb zueinanderstehen, aber dieselbe Richtung einschlagen. Wir stellen ein bemerkenswertes Handelsvolumen und eine starke Nachfrage unserer Kunden nach Ethereum Classic fest.“

Die Gründer von Slock.it: Christoph und Simon Jentzsch und ihr Partner, Stephan Tual.
Die Gründer von Slock.it: Christoph und Simon Jentzsch und ihr Partner, Stephan Tual.

2018

Platzen der Blase

2017 treten die Kryptowährungen mit einer noch nie dagewesenen Spekulationsblase zutage. Der Preis des Bitcoins steigt innerhalb eines Jahres um das Zwanzigfache, bislang weniger verbreitete Währungen wie der Ripple verbuchen einen Kurszuwachs von 28 000 %. Der ICO-Hype (Initial Coin Offering) lockt die breite Öffentlichkeit in Richtung entstehender Blockchain-Projekte, von denen die meisten das Platzen der Blase Anfang des Jahres 2018 jedoch nicht überstehen werden.

Der verrückte Höhenflug des Bitcoins seit 2010

Gesamtwert weltweit in Dollar seit 2017 Gesamtwert weltweit in Dollar seit 2017


Quelle: buybitcoinworldwide.com

Juni 2019

Facebook kommt ins Spiel

Der Facebook-Konzern geht ins Rennen und kündigt an, im Laufe des Jahres 2020 eine auf den Namen Libra getaufte virtuelle Währung zu lancieren. Diese soll auf einer "Open source"-Blockchain basieren und allen Nutzern die Möglichkeit geben, ihre Anwendungen darauf zu entwickeln, um die internationalen Zahlungsvorgänge zwischen Privatpersonen oder Akteuren der Geschäftswelt zu vereinfachen.

März 2020

Der erste elektronische Franken

Die Zürcher Kryptobank Sygnum gibt seit Ende März 2020 den ersten elektronischen Franken basierend auf der Blockchain aus. Der DCHF getaufte Token. nimmt die Form eines Zahlungstokens an, der vollständig an den „echten“ Schweizer Franken gebunden und auf einer Blockchain gespeichert ist. Er ist also der erste Schweizer Stablecoin und kommt so den Projekten eines elektronischen Franken der Nationalbank zuvor.

Mathias Imbach Mitgründer und Singapur-CEO von Sygnum.
Mathias Imbach Mitgründer und Singapur-CEO von Sygnum.

Auswahl einiger Tokens

Bitcoin (BTC)

Der Bitcoin wurde als erste virtuelle Währung im Jahr 2009 von Satoshi Nakamoto geschaffen. Nach dem Bankrott der Bank Lehman Brothers tritt das Bitcoin-Protokoll als erstes dezentrales Peer-to- Peer-Netzwerk in Erscheinung. Eine Art unveränderliches Register, das dank seiner Nutzer und ohne Vermittler funktioniert. Im Laufe seiner Entwicklung unterliegt der Bitcoin extremen Schwankungen, bleibt aktuell aber die stabilste Kryptowährung und wird täglich von Hunderten Programmierern und spezialisierten Unternehmen, die meistens in China ansässig sind, gemint.

Ethereum (ETH)

Das Ethereum-Protokoll ist ebenso wie der Bitcoin unveränderbar, sicher und wird nicht von einer zentralen Einheit kontrolliert. Ethereum, das im Jahr 2015 von Vitalik Buterin eingeführt wurde, hat zum Ziel, neue Anwendungen auf der Blockchain zu erstellen, insbesondere mit dem Konzept der „Smart Contracts“. Diese intelligenten Verträge werden über das Netzwerk durch vordefinierte Bedingungen automatisch ausgeführt. Eine Erfindung, die Ether zur zweitwichtigsten kryptografischen Währung der Welt macht.

Ripple (XRP)

Der Ripple, die hinsichtlich des Volumens drittgrößte digitale Währung, wird oft als Alternative zum Bitcoin mit einer durch eine zentrale Stelle limitierten Anzahl an Nodes beschrieben. Das Protokoll, welches 2012 nach den Konzepten von Ryan Fugger herausgebracht wurde, ist ein Zahlungssystem in Echtzeit, ein Markt für Währungsumtausch und ein Überweisungsnetzwerk für Guthaben, die von einer Gesellschaft mit demselben Namen, Ripple, verwaltet werden. Dank der extrem schnellen Transaktionen (1400 Transaktionen pro Sekunde im Vergleich zu 4 bis 7 beim Bitcoin) scheint dieses Netzwerk Kosten und Wartezeiten der traditionellen Bankgeschäfte zu umgehen.

Litecoin (LTC)

Der Litecoin basiert auf demselben Open-Source-Code wie der Bitcoin, ist jedoch schneller und günstiger. Während die Erstellung eines Blocks beim Bitcoin 10 Minuten dauert, braucht man beim Litecoin nur 2,30 Minuten. Er wurde 2011 von Charlie Lee erschaffen, wird für kleinere Transaktionen genutzt und hat den Ruf, im täglichen Gebrauch effizienter zu sein.

Bitcoin Cash (BCH)

Eine andere Version des Bitcoins, der Bitcoin Cash, hat seine Wurzeln in der Uneinigkeit über die Größe der Blöcke. 2017 wünscht sich ein Teil der Bitcoin-Community, mehr Transaktionen generieren zu können und schlägt vor, das Blocksizelimit, das zu Beginn von Satoshi Nakamoto zur maximalen Absicherung des Verzeichnisses implementiert wurde, abzuschaffen. Ihre Anfrage wird abgewiesen, um einen möglichen Anstieg der nötigen Rechenleistung und eine Zentralisierung der Datenverarbeitung zu vermeiden. Aus dieser Meinungsverschiedenheit entsteht eine Abspaltung (Fork) auf der Grundlage des ursprünglichen Bitcoin-Codes mit einer Erhöhung der Blockgröße: der Bitcoin Cash.

Tezos (XTZ)

Der Tezos, der als alternative Lösung zu Ethereum konzipiert wurde, da er die einfache Erstellung von Smart Contracts ermöglicht, zog im Juni 2017 die Aufmerksamkeit auf sich, als sein ICO Kapital im Wert von 232 Millionen Dollar einbrachte. Einer der wichtigsten Vorschläge ist eine sich selbst regulierende Verwaltung innerhalb des Protokolls, die die Änderungsbedingungen der Blockchain vorsieht, über die die Gemeinschaft abstimmt. Basierend auf dem Anteilsnachweis (Proof of stake), wird die Validierung eines Blocks von einem bestimmten Miner durchgeführt (Baker) und von 32 anderen geprüft (Endorsers), die für ihre Arbeit belohnt werden. Ein alternatives System zum Arbeitsnachweis (Proof of work) von Ethereum, das eine höhere Geschwindigkeit und Anzahl an Transaktionen zulässt.

Stellar Lumens (XLM)

Die 2014 geschaffene Kryptowährung gehört zu den bekanntesten Blockchain-Projekten und basiert auf dem Proof of Stake. Der DLT Stellar entstand als Fork von Ripple und wird häufig als Alternative zu PayPal präsentiert. Das dezentrale System ermöglicht ultraschnelle, grenzübergreifende Zahlungen mit geringeren Transaktionskosten und Wechselgebühren. Das Netzwerk kann bis zu 1000 Transaktionen pro Sekunde unterstützen, eine Transaktion dauert im Durchschnitt 2 bis 5 Sekunden.

Augur (REP)

Das auf der Ethereum-Blockchain basierende historische Projekt Augur ist ein dezentralisiertes Netzwerk, das es ermöglicht, Prognosemärkte zu schaffen und deren Ausgang zu überprüfen (Oracle). Im Augur-System gibt es drei zentrale Akteure: die Market Creators, die ein Ereignis erstellen (zum Beispiel „Wird Donald Trump wiedergewählt?“) und die potentiellen Gewinne der Teilnehmer definieren, die Trader, die die Wetten entgegennehmen, und die Prüfer, die nach Eintreten des Ereignisses das Resultat berichten (Wiederwahl ja oder nein). Die Prüfer setzen ihre REP-Tokens ein, die konfisziert und neu verteilt werden, wenn ein falsches Ergebnis gemeldet wird. Dadurch sind Betrug und Fehler so gut wie unmöglich. Das System zielt darauf ab, die Schwarmintelligenz der Wettenden zu nutzen, um die Wahrscheinlichkeit des Ausgangs eines Ereignisses abzuschätzen, daher der Begriff Prognose. Jeder Besitzer von REPs kann das Ergebnis des Ereignisses berichten, auf das Wetten abgeschlossen wurden. Ist die gemeldete Information richtig, werden sie belohnt, ist sie falsch, verlieren sie einen Teil ihrer REPs.

Chainlink (LINK)

Chainlink wird als System dezentralisierter Oracles definiert und insbesondere im Zusammenhang mit dezentralisierten Finanzen zunehmend verwendet. Es fungiert als Bindeglied zwischen den Off- Chain- und den On-Chain-Welten, indem es den Smart Contracts Zugang zu Informationen verschafft, die nur außerhalb der Blockchain verfügbar sind. Eine Verwendung ist eine dezentralisierte Anwendung, die wie eine Versicherung funktioniert und die die Erstattung eines Flugtickets im Fall einer Verspätung oder eines Ausfalls möglich macht. Diese Anwendung nutzt den Algorithmus von Chain, der verschiedene Quellen kompiliert und analysiert, um die Verspätung oder den Ausfall zu ermitteln und so die Durchführung der potenziellen Erstattung ermöglicht.

0x (ZRX)

0x ist ein dezentralisiertes Peer-to-Peer-Exchange-System, das die Transaktionskosten (Kauf oder Verkauf) der auf der Ethereum-Blockchain ausgegebenen Tokens reduziert. Aufgrund der breiten Streuung der Trading-Plattformen und der großen Anzahl vorhandener Token können einige Aufträge nicht in derselben Transaktion ausgeführt werden. „Relayers“ übertragen einen Kauf- oder Verkaufsauftrag über die Auftragsbücher verschiedener Trading-Plattformen und erfassen dabei Angebot und Nachfrage. Wenn ein Verkäufer dank eines Relayers einen Abnehmer findet, wird dieser mit ZRX-Tokens bezahlt. Die Lösung, die es ermöglicht, auf einem Sekundärmarkt für Tokens Liquidität zu schaffen, die dringend benötigt wird, wird zunehmend insbesondere im Bereich der dezentralen Finanzen genutzt.

Auswahl einiger Tokens

Bitcoin (BTC)

Der Bitcoin wurde als erste virtuelle Währung im Jahr 2009 von Satoshi Nakamoto geschaffen. Nach dem Bankrott der Bank Lehman Brothers tritt das Bitcoin-Protokoll als erstes dezentrales Peer-to- Peer-Netzwerk in Erscheinung. Eine Art unveränderliches Register, das dank seiner Nutzer und ohne Vermittler funktioniert. Im Laufe seiner Entwicklung unterliegt der Bitcoin extremen Schwankungen, bleibt aktuell aber die stabilste Kryptowährung und wird täglich von Hunderten Programmierern und spezialisierten Unternehmen, die meistens in China ansässig sind, gemint.

Eine effiziente und transparente Technologie

Die Stärke der digitalen Währungen liegt in technologischen Innovationen, die auf der Blockchain basieren. Ein wichtiger Faktor, den es zu verstehen gilt.

Abstrakt, zu abstrakt. Laut seiner entschiedenen Gegner hat der Wert des Bitcoins keinerlei Bezug zur Realität. Die Kryptowährung, die als virtuelle Währung, rein spekulativer Vermögenswert, sogar als Ponzi Schema bezeichnet wird, sei eine Zahlungsart, die einer Handvoll Fantasten und Händler des Darknets vorbehalten sei. Ein gesellschaftliches Experiment ohne Zukunft, verdammt dazu, in der Versenkung des digitalen Zeitalters zu verschwinden.

Dieses Argument hält einer Analyse nur schwer Stand. In erster Linie, weil die Währung an sich abstrakt ist, eine abstrakte Vorstellung, die 7000 Jahre alt ist und aus der Zeit stammt, als Gold und Silber anfingen, sich im Mittelmeerraum zu verbreiten und das Tauschgeschäft ablösten. Unveränderlich, leicht teilbar, und mit einem relativ konstanten Gesamtvolumen (da seine Gewinnung beschränkt ist), hat sich das Gold als dezentrale Standardwährung durchgesetzt, bevor die Staaten Münzen prägten und deren Ausgabe standardisierten. Eigenschaften, die dafür sorgten, dass Gold im Laufe der Jahrtausende eine Fluchtwährung blieb und zu denen der Bitcoin als unantastbares, verteiltes System, von dem in der Geschichte nur 21 Millionen Einheiten geschaffen werden, durchaus Assoziationen weckt.

„Der Vorteil ist, dass man mit den Smart Contracts mehrere Vorgänge in eine Transaktion, einen sog. Flash Loan, integrieren kann – zum Beispiel Kreditaufnahme und Arbitrage – die automatisch ausgeführt werden, wenn die Bedingungen der Rentabilität gegeben sind.“ Cyril Lapinte, Blockchain-Entwickler aus Genf und Mitwirkender der DeFi

Die Kryptowährung ist zwar digital, aber nicht virtuell, und das ist vielleicht das, was am schwierigsten zu verstehen ist. Im Gegensatz zu Buchungen löst die Blockchain das IT-Problem der Doppelausgaben. Im Klartext: ich übertrage Bitcoins wie ich einen 100-Franken-Schein ausgebe. Der Vorgang ist sicher und endgültig, man kann nicht darauf zurückgreifen und ich bin allein für mein Portemonnaie verantwortlich. Während er als Fluchtwährung die Eigenschaften von Gold aufweist, so ähnelt er in der Ausführung der Zahlungsvorgänge dem Bargeld. Das ist der Grund, wieso er das Image der Geldwäscherei nicht los wird.

Die Bedeutsamkeit des Konsenses

Und dennoch nützen alle technischen Faktoren nichts, wenn sie nicht verstanden werden. Denn der Wert einer Währung liegt in ihrer Akzeptanz, der Bildung eines Konsenses innerhalb einer Gemeinschaft.

Der sicherste Konsensmechanismus beruht auf dem „Proof of Work“ (Bitcoin oder Ethereum), dem Arbeitsnachweis, der für die Erstellung eines Blocks alle Knoten einer Blockchain in Konkurrenz zueinander setzt. Dieser Wettbewerb von Rechenleistung ist energieaufwendig, garantiert aber maximale Sicherheit. Allerdings stösst er an eine wichtige Grenze: die Anzahl der vom Netzwerk unterstützten Transaktionen, beim Bitcoin aktuell zwischen 4 und 7, limitiert erheblich die Scalability.

Um effizienter zu sein, nutzen andere Blockchains (Tezos oder Lumens zum Beispiel) den Konsensmechanismus des „Proof of stake“, den Anteilsnachweis. Der Block wird hier einem bestimmten Miner anvertraut (Baker) und von 32 Knoten verifiziert, die für den Vorgang belohnt werden. Die Absicherung beruht auf dem gemeinsamen Interesse der teilnehmenden Parteien, die Transaktion durchzuführen. Die Anzahl der Transaktionen pro Sekunde ist höher und der Prozess braucht weniger Energie – dadurch erhöht sich die technische Kapazität des Netzwerks für die Anpassung an einen steigenden Bedarf.

Eine Partizipationsplattform in Neuenburg

Auch Fabio Bonfiglio hat sich mit seinem Projekt einer Neuenburger DAO (NEDAO) zum Ziel gesetzt, die Smart Contracts zu demokratisieren. Es geht darum, den Bürgern die Möglichkeit zu geben, partizipative Projekte oder gemeinsame Innovationen vorzuschlagen, zu starten und zu verwalten. Insbesondere können sie mit der Plattform interagieren, ohne ihre ganzen Informationen preisgeben zu müssen wie heutzutage üblich. Fabio Bonfiglio nennt ein Beispiel: „Wenn man einer Behörde gegenüber nachweisen muss, dass man das Recht hat hier zu sein, kann sie die Meldebescheinigung einsehen und muss nicht alle weiteren persönlichen Informationen erhalten.“ Die Öffnung der NEDAO für die breite Öffentlichkeit ist für das zweite Halbjahr 2020 vorgesehen.

Fabio Bonfiglio

Die Smart Contracts

Die Smart Contracts sind aktuell das innovativste Element der Blockchain. Sie definieren das Protokoll, anhand dessen der Computer Befehle ausführt und festgelegte Regeln anwendet. Zahlreiche Transaktionen beruhen auf dieser Technologie. „Man kann zum Beispiel festlegen, dass für Transaktionen mit hohen Beträgen eine zusätzliche Autorisierung notwendig ist, erklärt Adrien Treccani, CEO des Fintech-Unternehmens Metaco. Smart Contracts sind per Definition unveränderbar und können so nicht gefälscht werden. Sie ermöglichen die Erstellung von Tokens, und somit die Tokenisierung von Objekten oder immateriellen Produkten, insbesondere Finanzprodukten. Das kann ein Gebäude sein, ein Gemälde oder sogar ein Diamant“, erklärt der CEO weiter.

Wie eine Währung sind Token teilbar, speicherbar und übertragbar. Die Beispiele häufen sich, vor allem in der Immobilien- und in der Videospielbranche.

Die dezentralen Finanzen

Dem jungen Ökosystem fehlt es jedoch an Liquidität und einem Sekundärmarkt. Es werden verschiedene Versuche unternommen, um dem System Liquidität zuzuführen, insbesondere über die Dezentralen Finanzen (DeFi). DeFi ermöglicht die Peer-to-Peer Kreditaufnahme und -vergabe und die Schaffung von Finanzprodukten ohne Zwischenschaltung einer Bank. Ein gesellschaftliches Experiment, das schon mehr als 600 Millionen Dollar umfasst.

Wie läuft dieser Prozess ab? Die Plattform Maker DAO schafft ein Kreditaufnahme- und - vergabesystem, das über ihren Token DAI (stabiler Wert: 1 Dollar) jedem zugänglich ist. Die DAI werden auf der Grundlage einen Kollaterals, einer Art Kreditsicherheit generiert, das durch die Kreditnehmer in Ether hinterlegt wird. Die Zinsen für Kreditaufnahme und -vergabe werden kontinuierlich durch die Maker DAO Community selbst angepasst. Kreditaufnahme und -vergabe können theoretisch dazu dienen, Projekte zu finanzieren, bleiben in erster Linie jedoch ein Mittel zur Spekulation.

DeFi ist ein bislang noch unvollkommenes Experiment im Finanzbereich, das vom Crash im März 2020 erschüttert wurde, während dem viele Positionen liquidiert werden mussten.

Die Covid-19-Krise hat den Boom der dezentralen Finanzen verändert

Gesamtwert weltweit in Dollar seit 2017

Gesamtwert weltweit in Dollar seit 2017 Gesamtwert weltweit in Dollar seit 2017

Dreifache Buchführung

Eine weitere und nicht gerade die geringste Innovation, die die Blockchain mit sich bringt, könnte eine neue Revolution darstellen: die dreifache Buchführung. Die Vorgänge und der Zeitpunkt ihrer Ausführung (Timestamp) sind für alle betroffenen Parteien zugänglich, zu jedem Zeitpunkt abrufbar und transparent. Da sie die Durchführung von Rechnungsprüfungen erleichtert und Betrugsmöglichkeiten drastisch einschränkt, könnte sie laut einigen Beobachtern den Zugang zu Finanzierungen vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen vereinfachen.

Eine äusserst volatile Anlage

Für die Investition in Kryptowährungen sind starke Nerven erforderlich, denn sie schwanken zwischen Höhenflug und Zusammenbruch. Für die Portfoliodiversifikation sind sie dennoch sinnvoll.

Der Bitcoin stellt 70% des Handels dar

Quelle: Statista

90 % der Transaktionen sind rein spekulativ

Bitcoin-Nutzung über drei Jahre, in Prozent

Quelle: Chainalysis

Sowohl Profi- als auch Gelegenheitstrader wissen, dass man, mehr als auf jedem anderen Markt, starke Nerven braucht, wenn man sich mit Kryptowährungen befasst. Und zwar aus gutem Grund: die Kryptowährungen schwanken im Durchschnitt zwischen 90 und 100% pro Jahr. So verzeichnete der Bitcoin einen Kursrückgang von bis zu 40% innerhalb eines Tages.

Sein Engagement einteilen

Die Kryptowährungen sind ein nützliches Mittel zur Portfoliodiversifikation, erklärt Arnaud Masset, Senior Market Strategist für die Bank Swissquote in Gland. Er rät Anlegern, die eine „gewisse Risiko- Abneigung haben“ dazu, das Engagement ihres Portfolios in Kryptowährungen auf 4 bis 5% zu beschränken und den „Action-Fans“, höchstens auf 15 bis 20% zu gehen.

Arnaud Masset

Der Vorteil einer schwachen Korrelation mit anderen Vermögenswerten

Korrelation zwischen dem Bitcoin und Gold und dem S&P500 über 90 Tage

Korrelation zwischen dem Bitcoin und Gold und dem S&P500 über 90 Tage Korrelation zwischen dem Bitcoin und Gold und dem S&P500 über 90 Tage


Quelle: CB-Insight

Bei der Aufteilung in die einzelnen Kryptowährungen muss auch immer das Risikoprofil mit einbezogen werden. Stabilere Kryptowährungen wie Ether und Bitcoin spielen für vorsichtigere Investoren eine Rolle, während sich die wagemutigeren Anleger an neuere und vielversprechende Projekte trauen werden.

Sich über Projekte informieren

Audrey Charmant

Sich gut zu informieren ist umso wichtiger, so Audrey Charmant, Krypto-Analytikerin in Genf, da die Anlagen für Privatpersonen mittel- bis langfristig sind: „Die Kosten der Transaktionen sind zu hoch, um zu denken, dass man wie beim Intraday-Handel Geld gewinnt 0,26% auf Kraken, der Exchange-Plattform für Kryptowährungen, zum Beispiel.“ Die Spezialistin empfiehlt Projekte auf der Seite Reddit zu verfolgen, wo sich Gemeinschaften austauschen oder sogar die Nutzung des Nachrichtendienstes Telegram, obwohl es dort auch eine gewisse Anzahl an Scams gibt .

Arnaud Masset von Swissquote betont jedoch, dass „die Informationskanäle oft gefälscht sind. Neben bezahlten Themen unterstützen einige von ihnen die Thesen entsprechend ihrer Investitionen“. In diesem Dschungel, indem man sich nach wie vor schwer zurechtfindet, raten einige Experten wie Audrey Charmant, sich hinsichtlich der Marktkapitalisierung nur auf die Top 50, oder sogar nur auf die Top 20 der Kryptowährungen zu konzentrieren.

Wie versteuert man seine Kryptowährungen?



Im Bereich der Kryptowährungen hat die Schweiz keine spezielle Steuerregelung geschaffen. Insgesamt lassen sich drei verschiedene Kategorien an Tokens unterscheiden.

1. Die Native Tokens, oder Kryptowährungen wie der Bitcoin oder der Ether: da sie wie Fremdwährungen behandelt werden, müssen sie von ihrem Besitzer versteuert werden. „Erhält man sie von seinem Arbeitgeber, handelt es sich um ein Arbeitsentgelt. Wenn sie an Wert zunehmen, entspricht das im Prinzip einem Kapitalgewinn. Ich konnte schon beobachten, dass damit spekuliert wird: das wirft die Frage des Wertzuwachses aus Vermögenswerten auf (die in der Schweiz steuerfrei sind, ausser sie gehen über die einfache Verwaltung von Privatvermögen hinaus, dann kann man als gewerblich Handelnder neu eingestuft und der Gewinn versteuert werden). Es ist ein Vermögenswert wie eine Währung, Wein oder Gold“, führt Pierre-Marie Glauser, Professor für Steuerrecht an der Universität von Lausanne und Rechtsanwalt der Kanzlei Oberson Abels in Lausanne und Genf aus.

Pierre-Marie Glauser

2. Die Utility Tokens: diese Marken gewähren einem den Zugriff auf eine digitale Dienstleistung (Nutzung von digitalen Diensten oder einer Plattform). Steuerlich gesehen handelt es sich um ein Vermögen, das versteuert werden muss, aber diese Art von Produkt generiert normalerweise kein Einkommen. Der Verkauf kann allerdings zu einem steuerbefreiten oder besteuerbaren Mehrwert führen, je nach Situation jedes Einzelnen.

3. Die Asset-backed-Tokens: sie sind an die Aktivitäten eines Unternehmens gebunden, es gibt mehrere Möglichkeiten der Einordnung. Manche ähneln Schuldverschreibungen wie Obligationen, deren Erträge der Verrechnungssteuer und der Einkommensteuer unterliegen. Andere sind Eigenkapital-Token mit einem Anspruch auf eine Geldleistung, welche in einem bestimmten Verhältnis zum Gewinn oder Liquidationsergebnis des Unternehmens steht. Die letzte Gruppe (Partizipationstoken) berechtigen zu einem verhältnismässigen Anteil an einer Referenzgrösse des Unternehmens (EBIT, Lizenzertrag, Umsatz...). Diese letzten beiden Gruppen von Tokens müssen ebenfalls als Vermögen versteuert werden und ihre Erträge unterliegen der Einkommensteuer.

Sich nicht von Gefühlen leiten lassen

Was es in jedem Fall zu vermeiden gilt: zu emotional zu werden. Arnaud Masset von Swissquote rät beispielsweise dazu, das investierte Vermögen in Einheiten zu jeweils 10% aufzuteilen: „Man muss einen Einstiegspreis ins Auge fassen. Man beginnt ein bisschen vorher einzusteigen. Dann folgt man der Entwicklung und kauft im Abschwung zu. Wenn der Kurs dann wieder ansteigt, hat man schon etwas gewonnen.“ Das Wichtigste ist, sich vorher einen Plan für den Ein- und Ausstieg zurechtzulegen und sich daran zu halten: „Man muss akzeptieren, einen Anstieg von 50% zu verbuchen oder einen Rückgang von 50% zu vermeiden, das ist schon gut.“

Wie bewahrt man sie auf?

Die Besitzer von Kryptowährungen haben die Wahl zwischen hot und cold wallets. Erstere enthalten einen Schlüssel, der dann genutzt werden kann. Für die Anspruchvollsten kann diese physische Speicherung in einem Raum ohne Netzwerk erfolgen. Der Nutzer verfügt so über eine hohe Sicherheit, muss dann aber von diesem Standort aus agieren. Die hot storages beinhalten die Online-Speicherung sowie Lösungen, die ein Netzwerk brauchen. Sie sind leichter zugänglich, aber möglicherweise auch leichter zugänglich für Hacker.

Eine Staatsaffäre

Geschäftsbanken, Zentralbanken oder digitale Riesen wie Facebook beziehen ihre Position im Kampf um die monetäre Souveränität.

Es vergeht keine Woche, ohne dass die Nachrichten über eine Ankündigung zu Stablecoins berichten. Ende März 2020 kündigte die Zürcher Kryptobank Sygnum die Einführung einer Kryptowährung an, die an den Schweizer Franken gebunden ist und deren Wert stabil bei 1 Franken liegt. Der Token basiert auf DLT (Distributed Ledger Technology) und ist ohne Zwischenhändler direkt übertragbar, was Transaktionskosten und -zeit mittels Nutzung von Smart Contracts durch Banken und institutionelle Kunden reduziert.

Diese Ankündigung, die bei weitem nicht die einzige ist, stimmt mit dem allgemeinen Trend überein, der die wirtschaftliche und politische Welt 2019 in Aufruhr brachte.

Die treibende Kraft hinter dieser Entwicklung war der Start des Libra-Projekts. Das Projekt, das von Facebook im Juni 2019 ins Leben gerufen wurde, vereinte bereits bei seiner Gründung einige der bekanntesten Unternehmen des digitalen Sektors und des Zahlungssektors wie PayPal, Mastercard und Iliad (Xavier Niel) mit dem Ziel, eine Kryptowährung zu schaffen, die an einen Währungskorb angelehnt ist.

Die Kryptowährungen ziehen weltweit immer mehr Nutzer an

Quelle: Statistat/Abra

Die Ankündigung dieses Projekts rief bei den Staaten heftigen Widerstand hervor: sie waren besorgt, dass eine Konkurrenzwährung 1,7 Milliarden Nutzer des sozialen Netzwerkes erreichen und ihre Souveränität untergraben könnte. Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire kündigte im Oktober an, den Libra in der Europäischen Union verbieten zu wollen.

Alexis Roussel

Alexis Roussel, Schweizer Pionier im Bereich der Kryptowährungen und Gründer der Trading- Plattform Bity in Neuenburg, erkennt die Lawine, die dieses Projekt ins Rollen brachte: „300 Jahre lang besassen die Zentralbanken das Monopol der Geldschöpfung. Als dann Facebook, das grösser als ein Staat ist, Bitcoins konzipiert, ist das für die Staaten ein Schlag ins Gesicht und man beginnt, über Kryptowährungen zu sprechen, die von Staaten verwaltet werden. Diejenigen, die die traditionellen Finanzen lenken, haben verstanden, dass sie nicht mehr die alleinige Vorherrschaft besitzen.“

Tatsächlich sind die Kryptowährungen zu einer „Staatsaffäre“ geworden.

Parallel dazu entfalten sich die Krypto-Projekte der Zentralbanken. Insbesondere mit der Ankündigung der Zusammenarbeit der BNS und SIX, um einen Kryptofranken zu erproben oder etwa der Ankündigung der schwedischen Nationalbank im Februar 2020, eine „E-Krone“ testen zu wollen.

80% der Zentralbanken untersuchen die Möglichkeit, ihre eigene digitale Währung herauszubringen

Umfrage durchgeführt im Januar 2020 von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.

Quelle: bis.org, CB-Insight

Für Yves Bennaïm, Insider des Bitcoin- und Blockchain-Ökosystems in Genf, erleben wir gerade einen intensiven politischen Kampf: „Eine von einer Zentralbank herausgegebene Kryptowährung könnte die Möglichkeit schaffen, die Kontrolle über die Geldmenge zurückzuerlangen und, wie von vielen Staaten gewünscht, weitere Schritte in Richtung Bargeldlosigkeit zu gehen. Mit dem Libra befinden wir uns in der Entwicklung einer Staatsbürgerschaft ohne Staat, dem Ziel der GAFAM.“

Eine weltpolitische Fragestellung

Da sich Facebook mit regulatorischen Schwierigkeiten und dem Widerstand verschiedener Länderregierungen, vor allem in der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten, konfrontiert sieht, ändert es seine Taktik. Das soziale Netzwerk konzentriert sich nun auf Calibra, eine Wallet (elektronische Geldbörse), die Peer-to-Peer Zahlungen zwischen Mitgliedern des Netzwerks ermöglichen soll, wie Vincent Pignon, Gründer von WeCan.Fund in Genf und Mitwirkender am Libra- Projekt, erklärt: „Die Idee eines Stablecoins, der auf einen Währungskorb gestützt ist, ist in regulatorischer Hinsicht schwer anwendbar. Aktuell will Facebook über Calibra vor allem nationale Stablecoins integrieren. Wir sind von einer Wettbewerbssituation zu einer Zusammenarbeit, einem gemeinsamen Aufbau mit den Regierungen übergegangen.“

Novi

Für Yves Bennaïm, Beobachter und Akteur der Genfer Krypto-Szene, könnte sich das Projekt sogar als geopolitische Chance herausstellen, vor allem für die amerikanische Regierung: „Eine Kryptowährung zu erfinden, die an den Dollar gekoppelt ist und die Afrikas Bevölkerung ohne Bankkonto erreicht, würde die Möglichkeit schaffen, Chinas Vordringen auf dem Kontinent entgegenzuwirken.“

Bitcoin, der echte Stablecoin?

Die politische Wende ist erstaunlich für ein ursprünglich vertrauliches Werkzeug, das dem Austausch von Kryptowährungen Stabilität verleihen sollte. Als erster seiner Art ermöglicht der Tether (Wert: 1 Dollar) das Handeln von Kryptowährungen auf Exchange-Plattformen, ohne auf nationale Währungen zurückgreifen zu müssen, wodurch Kosten gespart und erhebliche Vereinfachungen bei den Regulierungen erzielt werden können.

Dann haben einige Geschäftsbanken wie JP Morgan eigene Stablecoins herausgegeben, um vor allem grenzüberschreitende Transaktionen zu fördern. „Jeder ist versucht, sich seine eigene Notenpresse zu schaffen, indem er Emittent wird“, sagt Yves Bennaïm. „Aber die Frage der Stabilität stellt sich weiterhin, wenn man eine Kryptowährung an einen Vermögenswert wie den Dollar bindet, während sich die Vereinigten Staaten erneut in einen noch nie dagewesenen und zwangsläufig inflationistischen Geldschöpfungsprozess stürzen.“

Der Bitcoin könnte also mit seiner vollständig kontrollierten Emission (21 Millionen in der Geschichte) wirkliche Stabilität garantieren. Vincent Pignon, Gründer von WeCan.Fund in Genf und Mitwirkender am Libra-Projekt, schätzt seine Volatilität als immer noch zu hoch ein, um dieses Ziel zu erreichen: „Die Notenpresse ist dafür verantwortlich, dass das Geld zunehmend den Bezug zur Realität verliert. Die Frage, auf was das Geld und das Vertrauen darin beruht, wird wieder aufgeworfen. Dahin gehend verhält sich der Bitcoin wie eine reine Kryptowährung. Das Problem ist, dass sein Kurs aufgrund seiner höchst spekulativen Nutzung zu stark schwankt, und genau darin liegen im Moment noch seine Grenzen.“

Lexique

Blockchain

Technologische Entwicklung zur sicheren, transparenten, dezentralen Speicherung und Übertragung von Informationen. Eine "Blockchain" besteht aus einer Reihe von Knoten und Blöcken mit Transaktionen und Informationen, die jeweils auf ihre Gültigkeit überprüft werden können, in der Art eines transparenten, pseudonymen und manipulationssicheren Buchhaltungsbuchs.

DLT

Die Distributed Ledger Technology oder Technik des verteilten Kontenbuches entspricht einem digitalen System, das die Transaktionen und die damit zusammenhängenden Informationen an mehreren Orten gleichzeitig, anstatt in einem zentralen Referenz- oder Verwaltungsregister aufzeichnet. In diesem System verarbeitet und verifiziert jeder Knoten jedes Element der Transaktionen. Der Vergleich der verschiedenen Knoten bestätigt die Wahrhaftigkeit des Elements und macht die Information praktisch fälschungssicher. Die Blockchain ist die bekannteste Art der Anwendung der DLT.

Stablecoin

Kryptowährung mit Bindung an Vermögenswerte oder an einen Pool von Vermögenswerten (Währung einer Zentralbank, Rohstoffe, Edelmetalle oder Industriemetalle, andere Kryptowährung), deren Wert innerhalb einer Kursspanne (mithilfe verschiedener technischer Mittel) stabilisiert wird.

Skalierbarkeit

Technische Fähigkeit zur Anpassung des Netzwerkes an steigende Bedürfnisse, um Herausforderungen wie die Verlangsamung von Transaktionen oder steigende Nutzungsgebühren zu bewältigen.

Proof of work

Bestandteil des Mining-Vorgangs, mithilfe dessen der nächste Miner ermittelt werden kann, der den nächsten Block zur Blockchain hinzufügen darf.

Token

Digitaler, von seinem Urheber individualisierter Vermögenswert. Er basiert auf einer Blockchain, die seine Ausgabe ermöglicht und seinen Umtausch autorisiert. Bei einem Token werden alle Umtauschvorgänge gesichert und in einem unveränderbaren Register erfasst, was ihn einzigartig und fälschungssicher macht. Ein Token kann nicht vervielfältigt, jedoch online zwischen zwei Parteien frei übertragen werden.

Fork (Abspaltung)

Die Protokolle des Minings können aus verschiedenen Gründen geändert werden (Bugs, Angriffe, Wunsch einiger Entwickler, das Protokoll zu korrigieren, um es zu verbessern). Wird die Änderung von einer gewissen Anzahl an Nutzern angenommen, entsteht eine alternative Blockchain. Die ursprüngliche Blockchain funktioniert weiterhin und durch die Fork entsteht eine neue Blockchain.

Mining

Zurverfügungstellung der Rechenleistung eines Datenverarbeitungssystems (hauptsächlich Computer) zur Transaktionsverarbeitung und Absicherung des Netzwerkes.

Smart Contract

Intelligente, selbstausführende Verträge, bei denen die Bedingungen der Transaktion direkt in Codezeilen geschrieben werden. Der Vertrag liegt auf einer Blockchain, wodurch die Durchführung von Transaktionen und vertrauenswürdiger Vereinbarungen ermöglicht wird, ohne eine zentrale Behörde und somit eine dritte Partei mit einbeziehen zu müssen. Dadurch sind alle Transaktionen nachvollziehbar, transparent und irreversibel.

ICO (Initial Coin Offering)

Methode der Kapitalbeschaffung basierend auf der Ausgabe von digitalen Vermögenswerten, die Token genannt werden, die in der Startphase eines Projekts gegen Kryptowährungen getauscht werden können.

Wallet

Brieftasche zur Aufbewahrung von Krypto-Währungen auf einem Computer oder online, mit verschlüsselten Codes zum sicheren Datenzugriff. Jede Währung kann ihre eigene Brieftasche haben. Für zusätzliche Sicherheit kann ein physisches Speichergerät eine Alternative sein. Es ist auch möglich, eigene Krypto-Währungen auf Online-Plattformen zu speichern, aber die Risiken der Datenpiraterie sind höher.